Klaus Koppe
  Ostrava_2007_Konferenz_Koppe
 





DAS  ASCHESCHMELZVERHALTEN  BIOGENER FESTBRENNSTOFFE  UND  SEIN  EINFLUSS  AUF  DIE VERSCHMUTZUNG  UND  VERSCHLACKUNG  DER WÄRMEAUSTAUSCHERFLÄCHEN  UND  DIE ANLAGENVERFÜGBARKEIT

 

EUR ING Doc. Dr.-Ing. Klaus KOPPE, CSc.

Technische Universität Dresden, Fakultät Maschinenwesen
Technickou univerzitou Drážd’any, Fakulty strojni


Abstract

Při spalování pevné biomasy jsou téměř vždy minerální složky transformovány do strusky a popele. Tento proces může vést k zestruskování a způsobit na následných teplosměnných plochách provozní problémy.

 

Na řade biogenních paliv byl prováděn dlouhodobý výzkum vlastností popele a hledány zásadní jakostní činitelé. Tyto činitelé nejsou konstantní, ale mění se dle složení a druhu biomasy.

  

Abstrakt

 

Bei der Verbrennung fester Biomasse werden die nahezu immer vorhandenen mineralischen Bestandteile im Temperatur-Konzentrationsfeld der Feuerung zu Schlacke und Asche umgewandelt. Dieser Umwandlungsprozess kann zu Verschlackungen und Verschmutzungen der Feuerraumwände und der nachfolgenden Heizflächen führen und entsprechend Probleme im Betrieb verursachen. An einer Reihe von biogenen Festbrennstoffen wurde das Ascheschmelzverhalten, als bestimmende Einflussgröße bzw. brennstoffspezifisches Qualitätsmerkmal, untersucht. Dieses ist nicht gleichbleibend, sondern hängt von der Biomasse-Art und deren Zusammensetzung ab.

 

Schlüsselwörter / Klíčová slova:
Biomasse / biomassa;  Ascheschmelzverhalten / Teploty tavení popele; Korrosion / Koroze


1 Einleitung / Úvod


Das Schmelzverhalten der Asche gibt darüber Aufschluss, ob sich biogene Festbrennstoffe für ein bestimmtes Feuerungssystem eignen oder ob Probleme beispielsweise mit der Verschmutzung der Heizflächen oder der Anlagenverfügbarkeit auftreten. Eine bestimmende Einflussgröße auf des Ascheschmelzverhalten, charakterisiert durch den Ascheerweichungspunkt, ist die Art der eingesetzten Biomasse. Diese besteht im Wesentlichen (mehr als 95 % der Pflanzentrockenmasse) aus Cellulose, Polyose (Hemicellulose) und Lignin. Bei der Produktion und Verwertung von Biobrennstoffen gibt es allerdings herkunftsbedingt (regionale und saisonale Schwankungen) beträchtliche Unterschiede, insbesondere in deren Eigenschaften. (Tabelle 1).

 

2 Bestimmung nach DIN 51730 oder DIN-konform / Stanovení dle DIN 51730 nebo DIN-podobné

 

Zunächst wird die feste Biomasse in einem Muffelofen zwei Stunden bei 815 °C (± 15 °C) verbrannt und danach abgekühlt. Die so entstandene Asche wird zu einem zylindrischen Probekörper verpresst. Anschließend erfolgt die Erhitzung mit einer bestimmten Temperatursteigerung nach einem normierten Verfahren (DIN 51730) in oxidierender, schwach reduzierender oder reduzierender Atmosphäre in einem Erhitzungsmikroskop (Rohrofen mit Optik) (Bild 1). Die DIN 51730 gibt charakteristische Temperaturen vor, die hinsichtlich der Auswertung durch das Mess-Personal subjektiv ausfallen. Besser ist es, die Auswertung nach der relativen Höhe des Probekörpers vorzunehmen (Bild 2), d. h., die Erweichungstemperatur liegt bei 0,9, die Halbkugeltemperatur bei 0,5 und die Fließtemperatur bei 0,2 (1/5 der ursprüngliche Höhe), bezogen auf die relative Höhe 1. Dazu werden die Proben während der Aufheizung mittels einer Videokamera beobachtet, die aktuelle  Temperatur gemessen und einer Auswerteelektronik zugeführt.

Tabelle 1: Analysenwerte fester Biomassen (Auswahl)
Tabulka 1: analýza



Bild 1: Schematische Darstellung des Erhitzungsmikroskops

Obrázek 1: Schématické zobrazení vyhřívaného mikroskopu



Bild 2: Schmelzverlauf eines Probekörpers, bezogen auf seine relative Höhe

Obrázek 2: Průběh tavaní vzorku, vztaženo na jeho relativni velikost

 

3 Ascheerweichungsverhalten / Schování popele

 

Beim Verbrennungsprozess treten im Glutbett physikalische Veränderungen der Asche auf. Je nach Temperaturniveau kommt es zu verschiedenen charakteristischen Temperaturpunkten. Ein wichtiges Kriterium ist der Ascheerweichungspunkt. Er gibt die Temperatur an, bei der die Asche sich zu modifizieren beginnt. Dieser ist stark abhängig von der eingesetzten Biomasse und liegt bei Holz wesentlich höher als bei Ganzpflanzen. Stellt man den Zusammenhang zwischen den Schwefel- und den Chlorgehalt und der Erweichungstemperatur her, so ist ersichtlich, dass jeweils steigende Gehalte auch zu einer Erhöhung der Ascheerweichungstemperatur führen (Bild 3 und Bild 4).


Bild 3: Einfluss des Schwefelgehaltes auf die Ascheerweichungstemperatur

Obrázek 3: Vliv obsahu síry na teplotu měknutí popele


Bild 4: Einfluss des Chlorgehaltes auf die Ascheerweichungstemperatur

Obrázek 4: Vliv obsahu chlóru na měknutí popele (teplotu)

 

Die Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass die Elemente Silizium (Si), Eisen (Fe), Magnesium (Mg), Kalzium (Ca), Aluminium (Al), Kalium (K) und Natrium (Na) die Ascheschmelztemperatur beeinflussen. So steigt diese bei Vorhandensein von Si, Fe, Mg, Ca sowie Al und verringert sich bei Anteilen von K und Na. Genauerer Zusammenhänge werden weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben.


Um Vorhersagen über das Verschlackungsverhalten in Brennkammern machen zu können, wird bis heute die Ascheerweichungs­temperatur als Haftkriterium heran­gezogen. Ist die Partikel­temperatur beim Auftreffen auf eine Feuerraumwand größer als die Erweichungs­temperatur, so wird das Partikel an der Wand kleben bleiben.

 

4 Verschlackung und Verschmutzung / Zastruskování a zašpinění

 

Bei der Verbrennung fester Biomassen werden die vorhandenen mineralischen Bestandteile zu Schlacke und Asche umgewandelt. Dieser Prozess kann zu Verschmutzungen der Brennkammerwände und der (konvektiven) Heizflächen führen und entsprechende Probleme im Betrieb verursachen.

 

Schmutzschichten verschlechtern den Wärmeübergang, wodurch die Rauchgase weniger gekühlt werden und mit erhöhter Abgastemperatur abströmen. Von Verschlackung spricht man, wenn der Ansatz so dick ist, dass seine der Flamme zugekehrte Oberfläche dauernd flüssig ist, d. h. sich im Schmelzfluss befindet. Sie kommen dann vor, wenn die Temperaturen der Flamme über der Schmelztemperatur der Aschebestandteile liegen. Die Ascheteilchen erstarren auf der kalten Rohrwand und verfestigen sich zu Ansätzen. Ansätze haben eine körnig-poröse Struktur und sind nicht so fest. Sie bilden sich aus Flugstaub, der sich anlagert und verfestigt. Anwehungen sind Ablagerungen aus losem Flugstaub und im allgemeinen unproblematisch (Bild 5).


Bild 5: Arten der Heizflächenverschmutzung
Obrázek 5: Druhy znečištění teplosměnných ploch

5 Einflussfaktoren der Ansatzbildung / Faktory ovlivňující tvorbu nánosů

Die Ansatzbildung ist nicht einheitlich. Ihre Einflussfaktoren (Bild 6) sind vielschichtig. Menge und Zusammensetzung können variieren. Untersuchungen deuten darauf hin, dass vor allem der Calcium-, Magnesium- und Kaliumgehalt die Ansatzbildung entscheidend beeinflusst.


Bild 6: Einflussfaktoren der Ansatzbildung (Auswahl)

Obrázek 6: Faktory ovlivňující tvorbu nánosů (výběr)

 

Halmartige Biomassen weisen einen deutlich höheren Chlorgehalt auf, der zu einer erhöhten Hochtemperaturkorrosion an den Heizflächen führen kann und auch relativ hohe PCDD/F- und HCl-Emissionen verursacht. Chlor wird durch mineralische Düngemittel in die Pflanze eingetragen und ist an der Bildung von Chlorwasserstoffen (HCl) beteiligt. Eine wesentliche Rolle spielt bei den Korrosionsangriffen das Zusammenwirken von Chlor und Schwefel (Bild 8). Als korrosionsfördernd gelten vor allem Biomassen mit hohen Chlor- und niedrigen Schwefelgehalten (z. B. Stroh). Zur Abschätzung des Korrosionsrisikos werden in der Praxis Kennzahlen gebildet. Im Bild 9 sind deutliche Korrosionsschäden an Verdampferrohren bei der Mitverbrennung von Biomasse (Regelbrennstoff: Kohle) zu erkennen.


 

Bild 7: Temperaturverlauf

Obrázek 7: Průběh teploty



Bild 8: S-/Cl-Verhältnis ausgewählter Biomassen

Obrázek 8: poměr S/Cl vybarných druhů biomasy

 
Bild 9: Verdampferrohre mit versinterten Belägen (www.verbund.at)

Obrázek 9: Trubky výparníku se sintrovanými nánosy

Die Asche, die beispielsweise bei der Verbrennung von Getreide entsteht, fängt bei Temperaturen um 730 °C an zu schmelzen (Ascheerweichungspunkt). Im Brennraum können dadurch Ascheklumpen entstehen, die den Rost und die Luftzuführung zusetzen (Verschlackung). Es resultiert ein zusätzlicher Wärmeübergangswiderstand und damit ein Temperaturverlust im Medium (Bild 7).

 

Bis Ende des Feuerraumes müssen die Rauchgase durch Strahlungswärme-übertragung an die Feuerraumwände auf beziehungsweise unter die Ascheer-weichungstemperatur abgekühlt werden, um eine Verschmutzung der nachfolgenden konvektiven Heizflächen zu vermeiden. Durch Ablagerungen auf den Heizflächen wird der Abbau der Wärme im Kessel beeinträchtigt, da sich eine wärmedämmende Isolier­schicht auf den Rohren bildet, wodurch die Wärme­aufnahme immer weiter zum Kessel­ende hin verschoben wird.

 

Anhand von Veränderungen im Mineralphasenbestand lassen sich kritische Reaktionstemperaturen identifizieren. Hohe (ungünstige!) Temperaturen und lange Verweildauer führen zum Verkleben.


6 Zusammenfassung / Shrnutí

Neben der Charakterisierung der Biomassen durch die Elementaranalyse sind für deren energetische Nutzung auch das Ascheschmelzverhalten wichtig. Es dient der Voraussage über Entstehungsmöglichkeiten von Ansinterungen und Verschlackungen im Feuerraum, wird im Labor mit einer definierten Aufheizrate bestimmt und ist stark von der Pflanzenart (Biomasse) und dem Standort abhängig. Das Erweichungsverhalten zählt zu den brennstoffspezifischen Eigenschaften. Bei Getreidearten beginnt das Schmelzen der Aschen schon bei einem niedrigen Temperaturniveau von etwa 800 °C. Holz liegt mit ca. 1.100 °C wesentlich darüber.

 

Anpackungen im Feuerraum und/oder an den Heizflächen führen zu Störungen und Betriebsunterbrechungen. Dieser Nachteil muss bereits bei der Auslegung der Feuerungsanlage berücksichtigt werden. Außerdem muss die Optimierung des Feuerungssystem für die jeweilige Brennstoffart erfolgen. Das heißt die verschiedenen Biomassen sind nicht ohne Probleme gegeneinander austauschbar.

 

Die Änderung der Brennstoffzusammensetzung bei der Co-Verbrennung, Substitution des Regelbrennstoffes (z. B. Kohle) durch Biomasse (z. B. Stroh), bewirkt unter Umständen eine Erhöhung des Chloreintrages, was wiederum zu verstärkter Korrosion an den Heizflächen (Verdampfer, Überhitzer) führen kann.

 

Drei Haupteinflussgrößen bestimmen den Beginn und das Ausmaß der Verschmutzung: Die Brennstoffqualität, die Feuerungsart und die Betriebsweise der Feuerung (Verbrennungsbedingungen). Dabei ist die Reduzierung der Feuerraumendtemperatur von zentraler und entscheidender Bedeutung zur Minderung der Verschlackung in den ersten Konvektionsheizflächen und zur Erhöhung des Dampferzeuger-Wirkungsgrades.

 

 

Danksagung / Poděkování: MSM 6198910019 DeCOx Prozesse

 

 

7 Literatur / Literatúra

 

[1]        Juchelková, D.; Koppe, K.: Nutzung der Biomasse/Využívání Biomasy. Ostrava 2003, ISBN 80-7329-035-9. 112 Seiten.

[2]        Juchelková, D.; Koppe, K.: Abfallbehandlung – Nakládání s odpady. Ostrava 2005, ISBN 80-2480839-0, 164 Seiten

[3]        Koppe, K.: Termické využívání biomasy – základ zásobování energií s nízkými emisemi CO2. Habilitation VŠB-TU Ostrava 2006. 99 Seiten

[4]        Koppe, K; Juchelková, D.; Gebauer, K.: Verbrennung von Biomasse zur energetischen Nutzung – Bioenergie auf Wachstumskurs. Vortrag Freiberger Forschungsforum: 58. Berg- und Hüttenmännischer Tag; Kolloquium 9. Freiberg 2007
http://www.dbi-gti.de/Veranstaltungen/Abstractsammlung.pdf

[5]        Koppe, K.; Juchelková, D.; Gebauer, K.: Bioenergie auf Wachstumskurs. In: Wiss. Z. TU Dresden 56 (2007) 3/4. S. 1-9

 

Quelle : ENERGETIKA A ŽIVOTNÍ PROSTŘEDÍ – 2007. Ostrava 2007, Tagungsband, ISBN 978-80-248-1586-2, S. 129-137

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