Klaus Koppe
  Ostrava_2005_Konferenz_Koppe
 





VEREINFACHTE VERBRENNUNGSRECHNUNG
BIOGENER FESTBRENNSTOFFE

 

Zjednodušený výpočet spalování biogenních paliv

 

Dr.-Ing. Klaus Koppe

Technische Universität Dresden, Institut für Energietechnik,
D-01062 Dresden, Deutschland (D)

 


Abstrakt

Die vereinfachte Verbrennungsrechnung mit Kenngrößen hat den Vorteil, dass man auf Grund von Erfahrungen (statistische Auswertung einer Vielzahl von Brennstoffanalysen) für bestimmte Brennstoffgruppen (hier: feste Biomasse) Festwerte einsetzen kann. Ein empirischer Zusammenhang zwischen Elementaranalyse und Heizwert ist seit langem bekannt. Das gilt auch für den Luftbedarf und die Rauchgasmenge. Die Genauigkeit hängt von der Auswahl und der Anzahl der ausgewählten Analysen ab und genügt für viele praktische Fälle.

 

Abstrakt

Zjednodušený výpočet spalování s charakteristickými veličinami má tu výhodu, že na základě zkušeností (statistické vyhodnocování mnoha analýz paliva) s určitými skupinami paliv (zde: pevná biomasa) lze nahradit konstanty.Empirická závislost mezi elementární analýzou a výhřevností je již známa dlouhou dobu. To samé platí o potřebě vzduchu a množství spalin. Přesnost závisí na výběru a počtu zvolených analýz a zcela stačí pro mnoho praktických případů.

 

Klíčová slova: biomasa, výpočet spalování

 


1 EINLEITUNG

 

Die Verbrennungsrechnung, heute Stand der Technik, bildet die Grundlage für die Auslegung und Dimensionierung einer Verbrennungsanlage. Ausgehend von den Untersuchungen Molliers 1) [1] und den daraus aufbauenden grundlegenden Berechnungen mit dimensionslosen Kenngrößen von Boie 2) [2, 3] (in [4] zusammen gefasst), wurde später belegt, dass sich diese Gleichungen auch für Abfallfraktionen eignen [5] und in [6, 7, 8] konnte der Nachweis erbracht werden, dass sich die Verbrennungsgleichungen ferner für den Brennstoff „Biomasse“ anwenden lassen.

1)       Richard Mollier (1863-1935), Professor für angewandte Physik und Maschinenbau in Göttingen und Dresden, Pionier der Erforschung physikalischer Daten für die Wärmelehre, insbesondere für Wasser, Dampf und feuchte Luft. 

2)       Werner Boie (1901-1978), Professor an der TH/TU Dresden, anerkannter Fachmann der Wärme- und Kraftwerkstechnik. Mit dem Buch “Vom Brennstoff zum Rauchgas” (1957) stellte Boie die Verbrennungsrechnung für Praktiker auf die Basis dimensionsloser, statistisch erfasster Kennwerte um, was ihm internationale Anerkennung brachte.

 

2 VERBRENNUNG

 

Über 80 Prozent der weltweit verbrauchten Energie wird durch Verbrennung erzeugt. Dabei werden pro Jahr über 100 Milliarden Tonnen (kostenloser!) Verbrennungsluft verbraucht. Unter Verbrennung versteht man allgemein die exotherme Umwandlung von Stoffen unter gleichzeitiger Freigabe thermischer Energie. Sie ist ein irreversibler Prozess. Voraussetzungen dafür sind ein brennbares Material (Brennstoff) in ausreichender Menge, Oxidationsmittel, meist Sauerstoff und Wärme, um die Zündtemperatur zu erreichen, oder die Mindestverbrennungstemperatur zu halten sowie das richtige Mengenverhältnis des brennbaren Stoffes mit der Umgebungsluft oder dem reaktiven Gas. Eine energetische Nutzung der Verbrennungswärme erfolgt nahezu ausschließlich über die fühlbare Wärme der heißen Rauchgase (Bild 1).



Bild 1
: Vereinfachte schematische Darstellung der Verbrennung in einem offenen System


Für die Verbrennung der verschiedenen Brennstoffe gibt es ein optimales Brennstoff-Luft-Mengenverhältnis (stöchiometrisches Verhältnis). Stöchiometrische Reaktionsgleichungen liefern Stoff- und Energiebilanzen zur qualitativen Beurteilung der verschiedenartigen Verbrennungsprozesse. Der reale Verbrennungsablauf ist weit komplizierter als es die Verbrennungsgleichungen vermuten lassen. Die Verbrennung von Biomasse umfasst eine Reihe chemischer und physikalischer Prozesse.

3 VERBRENNUNGSRECHNUNG


Die Verbrennungsrechnung lässt sich mit Hilfe von Reaktionsgleichungen ausführen, wobei die Elemente fester und flüssiger Brennstoffe durch die Elementaranalyse ermittelt und in Masseteilen angegeben werden. Bei der Verbrennung gasförmiger Brennstoffe wird von der Analyse der Einzelgase ausgegangen. Bezugsbasis ist die vollkommene Verbrennung. Zwischen der Elementaranalyse und dem Heizwert eines Brennstoffes besteht ein Zusammenhang, der sich für feste Brennstoffe beispielhaft wie folgt darstellt:

 

Hu =  34.800 C + 93.800 H + 10.460 S + 6.280 N - 10.800 O - 2.450 W in kJ/kg

 

Für flüssige Brennstoffe (z. B. Erdöl) gilt:

 

Hu =  35.150 C + 94.100 H + 10.460 (S – O) in kJ/kg

 

Die Faktoren vor den Brennstoffbestandteilen (in kg/kg) stellen dabei Koeffizienten dar, die ihren Anteil am Gesamtheizwert widerspiegeln. Die Summe der Bestandteile ist 1. Aus den Gleichungssystemen lässt sich der Sauerstoff- und daraus der Luftbedarf ermitteln. Weitere Zusammenhänge wurden zwischen dem Heizwert und dem Luftbedarf sowie der Rauchgasmenge gefunden, deren Genauigkeit von der Auswahl und der Anzahl der ausgewerteten Analysen abhängt. Die Zusammensetzung der Luft ist dabei sehr wichtig! Ein geringerer Sauerstoffanteil führt z. B. zu einer etwas größeren Verbrennungsluftmenge.

Mit den Angaben zur Luftmenge kann also die spezifische Rauchgaszusammensetzung und –menge berechnet werden. Ergänzend kann zudem noch die maximale bzw. adiabate Flammentemperatur (theoretische Verbrennungstemperatur) bestimmt werden, die bei einem angenommenen Feuerungswärmeverlust letztlich Rückschlüsse auf die reale Temperatur zulässt.

 

Während bei der Verbrennung von festen und flüssigen Brennstoffen zum Teil sehr aufwendige Rechnungen durchgeführt werden müssen, gestalten sich die Rechnungen für gasförmige Brennstoffe u. a. wegen des gleichen Aggregatzustandes des Brennstoffes und der Verbrennungsgase relativ einfach (Bild 2).


 

Bild 2: Verbrennungsvorgang



Bild 3: MSExcel-Module (Konsolefenster) 

Beispielhaft werden im folgenden für ausgewählte (feste) Biomassen (Tabelle 1), berechnet mit MSExcel-Modulen [6, 7, 8] (Bild 3), die spezifischen Luft- und Rauchgasmengen, die Verbrennungstemperaturen (Tabelle 2) sowie die Zusammensetzung des feuchten und trockenen Rauchgases (Tabelle 3) angegeben.


Tabelle 1:
ausgewählte Biomassen für die Verbrennungsrechnung 

Brennstoff

Heizwert

roh in kJ/kg

Wasser

roh in Gew.-%

Asche wasserfrei in Gew.-%

Kohlenstoff wasserfrei in Gew.-%

Wasserstoff
wasserfrei in Gew.-%

Sauerstoff
wasserfrei
in Gew.-%

Altholz

15.656

9,9

0,97

48,28

6,64

44

Bagasse

14.830

10,2

5,41

45,76

5,48

42,6

Holzabfall aus Möbelproduktion

17.500

15

0,8

49,6

5,46

43,65

Kokosnussschalen

17.440

9,7

1,49

51,82

6,1

40,44

Miscanthus

18.200

12,4

2,6

50,6

5,7

40,4

Restholzabfälle

15.656

9,9

0,97

48,28

6,64

44

Sägespäne

12.400

33

0,34

48,7

5,7

45

Stroh

15.000

25

5,68

49,6

4,8

39,3

Tischlereiabfälle

17.500

15

0,8

49,6

5,46

43,65


Tabelle 2: spezifische Luft- und Rauchgastemperaturen bei der Verbrennung und die Verbrennungstemperaturen

Brennstoff

Luftmenge

Rauchgasvolumen

Verbrennungstemperatur

Mindest-

reale

spez. feuchtes

spez. trockenes

adiabate

reale

kgLuft/kgBrennstoff

kgRauchgas/kgBrennstoff

oC

Altholz

5,332

7,999

9,108

8,474

1.784

1.619

Bagasse

4,759

7,138

8,194

7,653

1.855

1.683

Holzabfall aus Möbelproduktion

4,831

7,247

8,347

7,782

2.126

1.926

Kokosnussschalen

5,682

8,523

9,635

9,046

1.871

1.697

Miscanthus

5,278

7,917

9,011

8,441

2.057

1.865

Restholzabfälle

5,330

7,990

9,108

8,474

1.784

1.619

Sägespäne

3,754

5,630

6,711

6,040

1.873

1.697

Stroh

4,235

6,352

7,403

6,832

2.023

1.833

Tischlereiabfälle

4,831

7,247

8,347

7,782

2.126

1.926


Tabelle 3: Zusammensetzung des feuchten und trockenen Rauchgases

Brennstoff          

feuchtes Rauchgas in Gew.-%

trockenes Rauchgas in Gew.-%

CO2

SO2

N2

O2

H2O

CO2

SO2

N2

O2

Altholz

17,50

0,01

69,39

6,15

6,96

18,81

0,01

74,57

6,61

Bagasse

18,37

0,04

68,88

6,10

6,61

19,68

0,04

73,75

6,53

Holzabfall aus Möbelproduktion

18,51

0,02

68,63

6,08

6,77

19,85

0,02

73,61

6,52

Kokosnussschalen

17,79

0,00

69,89

6,19

6,12

18,95

0,00

74,45

6,60

Miscanthus

18,02

0,04

69,46

6,15

6,33

19,24

0,04

74,15

6,57

Restholzabfälle

17,50

0,01

69,39

6,15

6,96

18,81

0,01

74,57

6,61

Sägespäne

17,81

0,01

66,30

5,87

10,00

19,79

0,01

73,67

6,53

Stroh

18,41

0,02

67,84

6,01

7,72

19,95

0,03

73,51

6,51

Tischlereiabfälle

18,51

0,02

68,63

6,08

6,77

19,85

0,02

73,61

6,52


Die ausgewählten (festen) Biomassen lassen hinsichtlich ihrer chemisch-stofflichen Eigenschaften eine Reihe von Divergenzen erkennen. So schwankt der Heizwert zwischen 12.400 (Sägespäne) und 18.200 (Miscanthus) kJ/kg; der Wassergehalt zwischen 9,7 (Kokosnussschalen) und 33 (Sägespäne) Gew.-% und der Aschegehalt zwischen 0,34 (Sägespäne) und 5,68 (Stroh) Gew.-%. Halmgutbrennstoffe unterscheiden sich von Holzbrennstoffen aus verbrennungstechnischer Sicht vor allem durch höhere Aschegehalte. 

In den folgenden Bildern sind wichtige Verbrennungsgrößen über den Heizwert aufgetragen.



Bild 4
: spezifisches feuchtes Rauchgasvolumen und Mindestluftmenge als Funktion des Heizwertes


Bild 5: Korrelation zwischen adiabater und realer Verbrennungstemperatur und Heizwert


Bild 6: Wassergehalt (roh) und Aschegehalt (wasserfrei) als Funktion des Heizwertes  


Die Kurven für das spezifische feuchte Rauchgasvolumen und die Mindestluftmenge können annähernd als geradlinige Funktion proportional dem Heizwert dargestellt werden (Bild 4). Mit zunehmender Feuchte wird zum einen die erforderliche Luftmenge vergrößert und zum anderen der Wasserdampfgehalt im Rauchgas erhöht.

 

Die Verbrennungstemperatur ist eine zentrale Bestimmungsgröße für die Oxidationsmechanismen und damit für die Schadstoffbildung, aber auch für die Materialbeanspruchung und den Wirkungsgrad des Verbrennungsprozesses. Bei der Darstellung der Verbrennungstemperatur (Bild 5) sieht man, dass die Streuung wesentlich größer ist. Sie ist nicht nur abhängig vom Heizwert sondern auch von der Wärmekapazität sowohl der Ausgangsstoffe als auch der Endprodukte der Verbrennungsreaktion. Unbeteiligte, aber anwesende Stoffe sollten dabei unbedingt mit berücksichtigt werden. Meist ist eine adiabate Betrachtung ungeeignet, da diese die Reaktionsgeschwindigkeit (sie gibt an, wie viele Teilchen pro Zeit in einer chemischen Reaktion umgesetzt werden) unberücksichtig lässt. Diese Geschwindigkeit hängt aber von vielen Faktoren, wie z. B. der Konzentration, ab. Die Abweichungen zwischen adiabater und möglicher (realer) Verbrennungstemperatur betragen 165 K (bei Altholz bzw. Restholzabfälle) bis 200 K (bei Holzabfälle aus Möbelproduktion bzw. Tischlereiabfälle).

Der Wassergehalt (grobe und hygroskopische Feuchtigkeit) hat einen entscheidenden Einfluss auf den Verbrennungsvorgang. Hohe Feuchtigkeit führt zu einem Heizwertverlust, setzt die Verbrennungstemperatur herab, erhöht den Abgasvolumenstrom und begünstigt einen unvollständigen Ausbrand. Dieser ist u. a. von der Feuerungstechnik (Feuerraumgestaltung, Verbrennungs- und Luftstufung, Regelungstechnik, Anlagendimensionierung), der Feuerungseinstellung (Brennstoffzufuhr, Luftverteilung, Luftmenge), dem Lastzustand (Teillast, Mittellast, Nennlast) und der Brennstoffbeschaffenheit (Stückigkeit, Feuchte, Ascheschmelzverhalten) abhängig. Da wasserfreie Biomasse in der Natur praktisch nicht vorkommt, müssen während der Verbrennung mehr oder weniger große Mengen an Feuchtigkeit verdampfen.

 

Die Aschegehalte, durchaus emissionsrelevant, unterscheiden sich voneinander (siehe Tabelle 1). Bei Stroh oder Ganzpflanzen liegt dieser bei rund 3 - 6 Gew.-%, während Holz nur um ca. 1 Gew.-% Asche enthält. Der Schadstoffgehalt der Aschen hängt außer von der Art und Schwermetallbelastung des Brennstoffes auch von der Feuerungstechnik und den Feuerungsbedingungen ab.

 

Trotz einer gewissen Streubreite lässt sich relativ gut eine Gerade (Trendlinie) durch die Punkte ziehen (Bild 6).

4 ZUSAMMENFASSUNG

 

Die Verbrennungsrechnung liefert die notwendigen Daten für die Auslegung eines Dampferzeugers. Die Luft- und Rauchgasmassen sind die erforderlichen Eingangsgrößen. Vollständige Verbrennung wird vorausgesetzt. Der durchaus vorhandene Fehler bei der Rechnung liegt weniger bei der Analyse selbst, als viel mehr bei der nicht korrekten Probenahme (DIN 51701: feste Brennstoffe; DIN 51750: flüssige Brennstoffe; DIN 51853: gasförmige Brennstoffe). Diese muss der Art, Zusammensetzung und Qualität des Brennstoffes entsprechen. Ein statistischer Mittelwert (Brennstoffband!) ist für die Dimensionierung einer Brennkammer durchaus ausreichend.

5 LITERATUR


[1]            Mollier, R.: Die Gleichungen des Verbrennungsvorganges.
Z. VDI 65 (1921) S. 1095-1096
[2]            Boie, W.: Vom Brennstoff zum Rauchgas. B.G. Teubner Verlagsgesellschaft Leipzig 1957

[3]            Boie, W.: Praktische Verbrennungsformeln für Erdgase. In: Wiss. Z. TU Dresden 19 (1970) 3, S. 523-527

[4]            Gampe, U.; Will, G.; Kraus, E.; Koppe, K.: Energietechnik. In: Taschenbuch der technischen Formeln (Hrsg: Fischer, K.-H. u. a.) Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hauser Verlag München Wien 2005, ISBN 3446219749, S. 470-508

[5]            Kost, T.: Brennstofftechnische Charakterisierung von Haushaltabfällen.
Dissertation TU Dresden 2001

[6]            Bernstein, W.; Koppe, K.: Bedeutung von dezentralen Energieanlagen im Hinblick auf Wettbewerb, Zuverlässigkeit und Umwelt. Fachkongress Freiberg 2000. In: Tagungsband,
ohne Seitenangabe

[7]            Matschke, J.: Bewertung dezentraler Energiesysteme zur Versorgung mit Elektroenergie und Wärme auf der Grundlage der thermischen Nutzung alternativer Brenn- und Abfallstoffe mit einem wissensbasierten Entscheidungshilfesystem. Dissertation TU Dresden 2001

[8]            Koppe, K.: Thermische Nutzung der Biomasse – Grundlage einer regenerativen CO2-armen Energieversorgung. Kumulative Habilitationsschrift. TU Dresden 2005

 

Quelle : ENERGETIKA A ŽIVOTNÍ PROSTŘEDÍ – 2005. Ostrava 2005, Tagungsband, ISBN 80-248-0909-5, S. 105-111

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