Klaus Koppe
  100JahreHKW
 



1900
Baubeginn gemeinsam mit den Neubauten der Mechanischen Abteilung

1904
(01.04.) Probebetrieb: Prof. Kübler (1873-1919) entwarf den technischen Teil und wurde erster Direktor dieses Dienstleistungs-, Forschungs- und Lehrbetriebes
 
 
2 Doppelflammrohrkessel mit je 130 m2 Heizfläche; 2 „150-pferdige Turbodynamos“ mit 110 bzw. 120 kW Leistung; Kühlturm für 180 m3/h Leistung, größte Länge der Heizfernleitung: 300 m; 2 Akkubatterien mit einer Kapazität von 760 bzw. 48 Ah
 
1905
(27.05.) Feierliche Einweihung: Erfolgreiche Durchführung der Wärme-Kraft-Kopplung gleich zu Beginn der Inbetriebnahme (Vorbild für die Entwicklung der Heizkraftwerke Europas!)
 
 
Versuche zur Problematik der Abfallwärmenutzung
 
1913
Inbetriebnahme eines weiteren Kessels mit 180 m2 Heizfläche
 
1915
Inbetriebnahme einer weiteren Turbine mit 500 kW Leistung
 
1920
und Folgejahre: Umbau und Erweiterung
 
1924
Prof. Pauer (1887-1971) übernimmt die Betriebsleitung des HKW
 
1925
Inbetriebnahme eines Gefällespeichers, System Ruths, nutzbarer Speicher für 3.500 l/h
 
1927
Inbetriebnahme eines 1924 gebauten Sektional-Wasserrohrkessels mit 283 m2 Heizfläche und einer Dampfleistung von 8 bis 10 t/h
 
1930                
Inbetriebnahme einer Permutit-Wasseraufbereitungsanlage für 3.500 l/h
1935
Inbetriebnahme einer Kondensationsentnahmeturbine (2 x 150 kW)
 
1939
Inbetriebnahme eines Zwangumlaufkessels, Bauart La-Mont, 180 m2 Heizfläche und einer Dampfleistung von 10 bis 12 t/h
 
1945
Zerstörung (30 %) durch angloamerikanische Luftangriffe (13. Februar) und Wiederaufbau
 
1954
bis 1955: Durch Erhöhung des Feuerraumes und Einbau von Strahlungsflächen bei weitestgehender Abschirmung des Rostes durch eine Rückführdecke Leistungssteigerung von Wanderrostkesseln (am Beispiel des Sektional-Teilkammerkessels)
 
1955
Inbetriebnahme eines umgebauten Einflammrohrkessels (Baujahr 1899) als Speisewassersammelbehälter (30 m3)
 
1956
Beginn des Baues der Fernwärmeversorgung der Technischen Hochschule
 
 
Versuche zur Verbrennung von Braunkohlenbriketts, Schwelkoks und eines Koksgrus-Schwelkoks-Gemisches am Sektional-Teilkammerkessel
 
1957
Versuche zur Verbrennung von Rohbraunkohle durch zusätzliche Aufgabevorrichtungen auf einem Wanderrost und eines Koksgrus-Schwelkoks-Gemisches am Sektional-Teilkammerkessel
 
1958
Abbruch des Doppelflammrohrkessels (Baujahr 1913)
 
1961
(10.06.) Übernahme des HKW durch das Institut für Wärmetechnik und Wärmewirtschaft [Direktor: Prof. Boie (1901-1978)], Ausgangspunkt war die verstärkte Nutzung der Dampferzeuger und Nebenanlagen für die Lehre und Forschung
 
 
und Folgejahre: Durchführung von Studienarbeiten (Belege, Diplomarbeiten) an Kessel- und Nebenanlagen
 
1962
Versuche zur Verbrennung sowjetischen Anthrazits am La-Mont-Kessel
 
 
bis 1963: Unsetzung einer Kondensationsturbine (1,2 MW) aus dem Steinkohlenwerk Zwickau in das Maschinenhaus und Inbetriebnahme
 
1963
Versuche zur Verbrennung von Schwelkoks
 
 
Inbetriebnahme des Salzkohleversuchsdampferzeugers (80 kp/m2; 400 °C, 5 t/h)
 
 
bis 1965: Untersuchungen zum Sauerstoffgehalt des Speisewassers beim Entgasungsprozess
 
 
bis 1966: Versuche zur Verbrennung salzhaltiger Rohbraunkohle nach dem „Dresdner Prinzip“ am 5- t/h-Versuchsdampferzeuger

1964
bis 1966: Erprobung verschiedener Kühlturmeinbauten und Tropfenabscheidersysteme am Ventilatorkühlturm
 
1966
bis 1967: Versuche zur elektrischen Abscheidung von Flugasche aus Rauchgasen von salzkohlegefeuerten Staubkesseln mit trockenem Ascheabzug am Horizontal-Elektrofilter
 
1967
bis 1967: Versuche zur elektrischen Abscheidung von Flugasche aus Rauchgasen von salzkohlegefeuerten Staubkesseln mit trockenem Ascheabzug am Horizontal-Elektrofilter
 
 
bis 1993: Praktikum Dampfturbine als Teil der Lehrveranstaltung Maschinenuntersuchungen (externe Anlage im Mollier-Bau)
 
 
Inbetriebnahme der Vollentsalzungsanlage (2,5 t/h)
 
1968
(22.10.) Gründung der Sektion Energieumwandlung; das HKW wird Bestandteil des Bereiches Technik
 
1969
Kaltversuche am Ventilatorkühlturm zur Feststellung der Sprüh- und Spritzverluste in Abhängigkeit von Luftdurchsatz und Regendichte
 
1971
Versuche zur Abscheidung von Wassertröpfchen aus Nassdampfströmungen durch Umlenkgitter am 5- t/h-Versuchsdampferzeuger
 
Strömungstechnische Untersuchungen am Ventilatorkühlturm zur Erprobung eines Geschwindigkeits- und Druckmesssystems
 
1972
bis 1975: Kraftwerkstechnisches Praktikum an der Kondensationsturbine unter Prof. Altmann
(geb. 1923)
 
1977
Demontage und Verschrottung der Gegendruckturbine
 
1978
(9.10.): Feierliche Inbetriebnahme des 1. Ausbildungs- und Forschungsreaktors (AKR) einer Hochschule der DDR in der ehemaligen Maschinenhalle
 
1980
Versuche am 5-t/h-Versuchsdampferzeuger zur Auslegung von Kohlenstaubzündbrennern für Großdampferzeuger (Heizölsubstitution!)

 
Kurzzeitbrennversuche am La-Mont-Kessel mit aufbereitetem Müll aus fernbeheizten Wohnungen als Zusatzbrennstoff
 
 
Abriss und Verschrottung des Horizontal-Elektrofilters
 
1982
bis 1993: Versuche am Fernwärmeversuchsstand als externe Versuchsanlage (Mollier-Bau)
 
1983
Demontage und Verschrottung der 1928 installierten Laufgewichts-Brückenwaage einschließlich Wägehaus
 
1986
bis 1990: Experimente am in Stahlzellenverbundtechnologie errichteten Druckraumes als externe Versuchanlage, Prozessdampf vom HKW
 
 
bis 1993: Versuche am Erosionskorrosionsprüfstandes als externe Versuchanlage, Prozessdampf vom HKW
 
 
bis 1987: Versuche zur Messung der Belagbildung aus siedendem Wasser
 
 
Demontage und Verschrottung des Becherkettenförderers (Elevator) aus dem Jahre 1927 und Installation und Inbetriebnahme eines neuen Becherförderers (10 t/h)
 
1987
bis 1988: Demontage und Verschrottung des Salzkohleversuchsdampferzeugers
 
1991
Auflösungen der Sektionen, das HKW wird Bestandteil des Werkstattverbundes/Technik innerhalb der Fakultät Maschinenwesen
 
1992
Inbetriebnahme des UNIBRAND 3200 (3,2 t/h) mit Rauchgasentschwefelungsanlage am Standort des ehemaligen 5-t/h-Versuchsdampferzeugers
 
 
bis 1995: Praktikum Braunkohleverbrennung und Rauchgasreinigung am UNIBRAND
 
1994
Einstellung der Wärmeversorgung
 
 
Versuche zur Rauchgasanalyse- und Verbrennungsoptimierung mit dem MELA-OPT an einer Dampfkesselanlage (UNIBRAND 3.200)
 
 
bis 2001: Nutzung des UNIBRAND 3.200 für Versuche im Rahmen des Praktikums „Verbrennung und Dampferzeugung“ und für Forschungsarbeiten zur Verbrennung von Rohbraunkohle und Biomassen unter Prof. Bernstein (1937-2001)
 
1996
Versuche zur Mitverbrennung von Papierreststoffen in einer Rostfeuerung (UNIBRAND 3.200)
 
2004
Die historische Anlage wird abgerissen!

   Ventilatorkühlturm


 
Revisionsbuch für feststehende Dampfkessel aus dem Jahre 1910 (links); "Einheben" des UNIBRAND 3.200 mittels 30-t-Kran mit Teleskop und Wippspitze (50 m) über eine Montageöffnung 7,6 x 3,8 m (rechts)

  
Manfred Schmid, Heinz Bretschneider, Manfred Leeder,
Klaus Koppe, Hans Thomas, Werner Plötze und
Siegfried Anders (von links nach rechts)
Mitglieder des Kollektivs in den
70er und 80er Jahren
des vorigen Jahrhunderts

Paul Müller, Peter Spenner, Klaus Koppe, Manfred Leeder
und Gerhard Lange (von links nach rechts)

Persönlichkeiten, die sich in Forschung und Lehre im Heizkraftwerk bleibende Verdienste erworben haben:


    

Wilhelm KÜBLER (1873-1919), Walther PAUER (1887-1971), Werner BOIE (1901-1978)
Werner ALTMANN (geb. 1923) und Wolfgang BERNSTEIN (1937-2001) (von links nach rechts)
 


Sächsische Zeitung
Dienstag, 18. Januar 2005
 
Der Ofen ist aus – doch die Lichter bleiben an
Von Alexander Müller

Bauwerk. Die historische Heizkraftanlage wird abgerissen und ein neues Energiezentrum entsteht.
 



100 Jahre ist es alt geworden, nun wird es abgebaut. Das Heizkraftwerk der TU Dresden nahm am 1. April 1904 seinen Probebetrieb auf und wurde am 27. Mai 1905 eingeweiht. Sein über 40 Meter hoher Schornstein hat Konkurrenz vom Baukran einer Entsorgungsfirma bekommen. Der Termin ist nicht zufällig gewählt. „Das historische Alter wurde zum Anlass genommen, um einen Schlussstrich zu ziehen“, berichtet Dr.-Ing. Klaus Koppe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Energietechnik und ehemaliger langjähriger Leiter des Heizkraftwerkes.

Seit 1994 wird die Universität vollständig mit Fernwärme versorgt und schon seit Mitte der sechziger Jahre mit Elektroenergie. Bei seiner Errichtung dagegen war das Kraftwerk noch eine echte Innovation. „Das damalige Fernheiz- und Elektrizitätswerk war eines der Ersten in Europa, das die Kraft-Wärme-Kopplung nutzte und somit gleichzeitig Energie und Wärme erzeugen konnte“, erklärt Koppe. Für die Weltausstellung 1904 in St. Louis wurde extra ein Modell angefertigt. Als die Technische Hochschule Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem heutigen Campusgelände komplett neu aufgebaut wurde, war das Werk ihr geografisches Zentrum.

Die Anlage wurde von Anfang an auch für Lehr- und Forschungszwecke genutzt – nicht nur von Maschinenbauern und Kraftwerkstechnikern. Bekannt sind auch Versuche für gärtnerische Zwecke. Von zwei benachbarten Feldern wurde eines beheizt, um das Wachstum der Pflanzen vergleichen zu können.

In den zwanziger Jahren wurde das Kraftwerk umgebaut und erhielt eine automatische Bekohlung. Seine größte Bedeutung erwuchs ihm nach dem Zweiten Weltkrieg, obwohl es selbst zu einem Drittel zerstört war. Durch die angespannte Energiesituation waren ganze Stadtbezirke Dresdens von der Versorgung abgeschaltet. Die Anlage wurde umgehend wieder errichtet und von 1952 bis 1954 liefen die Turbinen auf Hochtouren. Durch den Ausbau der Hochschule und den Anschluss an das öffentliche Netz, kam es zu einem schrittweisen Abbau dieser Leistungen.

Das Gebäude und das energietechnische Forschungszentrum bleiben der Universität erhalten. „Das Zentrum soll fünf energietechnische Versuchsfelder umfassen“, erläutert TU-Pressesprecherin Kim-Astrid Magister. Der Ausbildungskernreaktor, der eine extrem geringe Leistung von wenigen Watt erbringt, wird in das Forschungszentrum eingebunden. Das ehemalige Kesselhaus wird nicht abgerissen, sondern entkernt und umgebaut. Zukünftig soll es die Versuchsfelder für „Verbrennung und Vergasung“, für „Innovativ gekoppelte Kraftwerksysteme“ sowie für „Rationelle Energieanwendung und Regenerative Energien“ aufnehmen. Nördlich des Schornsteins soll ein Neubau entstehen, der dann das fünfte Versuchsfeld für „Turbomaschinen“ erhält.
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